Nasenarbeit des Hundes
Von den fünf verschiedenen Sinnen (hören, sehen, riechen, schmecken, tasten) ist der
Geruchssinn der wichtigste für den Hund.
Er ist nicht nur wichtig um überleben zu können, Wildfährten und Aasgeruch mit der Nase
aufnehmen zu können und den Nahrungsbedarf zu decken ( auch wenn das bei unseren Haushunden
sicherlich nicht mehr unbedingt von Nöten ist) sondern auch im sozialen Bereich ist dieser Sinn bei
der Erkennung von Artgenossen beim Erkennen von Läufigkeit bei Hündinnen etc. von Bedeutung.
Würde ein Hund seinen Geruchssinn verlieren so würde dies anders als z.B. der Verlust des
Sehvermögens eine ernsthafte Behinderung für ihn darstellen.
Die Leistungsfähigkeit der Hundenase wird für uns sicherlich trotz aller wissenschaftlichen
Studien immer ein kleines Rätsel bleiben.
Um zu versuchen diese Leistung zu verstehen, könnte man sich vielleicht vorstellen dass auf
einem Foto jede Farbe und Farbschattierung einen anderen Geruch hätte, aber selbst dann
wäre es glaube ich nicht einfach.
Wenn wir davon ausgehen das die Hundenase etwa 44 Mal so empfindlich ist wie die des
Menschen dann können wir uns vielleicht auch vorstellen was wir dem Hund tagtäglich wahrscheinlich
vielfach unbewusst zumuten.
Autoabgase, Chemische Duftstoffe, Farbgerüche, Putzmitteldämpfe, Zigarettenrauch etc.
werden vom Hund viel intensiver empfunden.
Wie aber riecht ein Hund nun, wie nimmt er Gerüche wahr.
Die Hundenase setzt sich im Wesentlichen aus den Bereichen Nasenschwamm,
Atmungsepithel und Geruchsepithel zusammen.
Der Nasenraum des Hundes besitzt mehrere Vorräume, die der Befeuchtung und Erwärmung
der Atemluft dienen.
Dies ist wichtig, da mit Hilfe der Feuchtigkeit Duftstoffe aus der Luft herausgelöst werden.
Deshalb sollte man bei heißer Witterung (wenn der Hund im Einsatz ist )immer darauf
achten das die Nase des Hundes
feucht ist da durch die Verdunstung die Duftstoffe besser gelöst werden können.
Von der feuchten Nasenspitze aus wird die Temperatur der Atemluft geregelt.
Die Riechschleimhaut, die das Geruchsepithel überzieht und mit den olfaktorischen
Nerven (Geruchsnerven) ausgestattet ist, befindet sich im geschützten hinteren Teil
der Nasenhöhle, der sich bis zur Stirnhöhle ausbreitet.
Das Geruchsepithel ist eine mit Zellen bedeckte Oberfläche (Riechfläche)
Es befindet sich tief im Innern der Nase und ist ebenso wie die Nase an sich dunkel pigmentiert.
Diese dunkle Pigmentierung soll in engem und direktem Zusammenhang mit dem Geruchsvermögen
stehen.
Versuche mit Hunden die an Albinismus leiden (Albinos) haben ergeben dass ihr Geruchsvermögen
sehr schlecht entwickelt ist, da das Geruchsepithel keine Pigmentierung aufweist.
Das würde bedeuten dass der dunkle Farbstoff der Pigmentierung nicht unerheblich
zum Geruchsvermögen beiträgt.
Wobei diese Theorie nicht von allen so gesehen wird
Bei mittelgroßen Hunden ist diese Riechfläche ca. 150 cm² groß und
besitzt ca. 220 Millionen Riechzellen.
Bei einem Menschen beträgt die Riechfläche lediglich ca. 5 cm².
Die Anzahl der Riechzellen steht bei einem Hund allerdings in direktem Zusammenhang mit
seiner Größe.
Ein Schäferhund z.B. verfügt über mehr Riechzellen als ein Foxterrier.
Im Geruchsepithel sitzen die, wie ja schon erwähnt, Geruchsnerven
(olfaktorische Nerven).
Das Geruchsepithel ist mit der wässerigen Riechschleimhaut überzogen, da wie ja
schon angedeutet die Duftstoffe nur in gelöster Form wahrgenommen werden können.
Von den einzelnen Riechzellen gehen Nervenfasern zum Riechhirn dort erfolgt die
Verknüpfung mit den höheren Hirnteilen. Das Riechhirn des Hundes umfasst
ca. 1/8 der Gesamthirnmasse.
Man könnte also sagen dass die einzelnen Geruchsreize im Gehirn zu einem Geruchsbild
zusammengesetzt werden.
Dem Geruchsbild sind eine Bedeutung und eine dazu gehörige Reaktion zugeordnet.
Beispiel:
Geruchsreiz: läufige Hündin erschnüffeln
Geruchsbild: Paarungsbereitschaft
Reaktion: Paarungsverhalten
Hunde bedienen sich zur Aufnahme der Gerüche verschiedener Atemtechniken.
In der Ruheposition atmet ein Hund ca. 15-mal in der Minute ein und aus.
Beim Gehen steigt diese Frequenz auf ca. 31 Atemzüge pro Minute an.
Während diesem normalen Atmen gelangt der größte Teil des Luftstromes auf
kürzesten Weg in die Lunge und die Geruchsmoleküle in diesem Luftstrom passieren
die Rezeptoren, die Riechzellen also, des Geruchsepithels nicht.
Das heißt dass bei normaler Atmung der für die Gerüche relevante Teil tief im
inner der Nase nicht erreicht wird und so das Erkennen von Duftstoffen
hierbei begrenzt ist.
Zum eigentlichen Riechen, welches für die Rettungshundearbeit wichtig ist, bedient sich
unser
Hund der so genannten Schnüffelatmung.
Hierbei kann eine Atemfrequenz von über 200 Atemzügen pro Minute erreicht werden.
Wobei auch hier die Aussagen zwischen 120 – 350 Atemzüge variieren, ich habe mal
ein Mittelmaß genommen
Dieses Schnüffeln führt zu Luftwirbeln und durch diese Luftwirbel wird gewährleistet
das die Atemluft mit den Geruchsstoffen tief in die Nasenhöhle und in die
Riechschleimhaut eindringen und so zur optimalen Geruchswahrnehmung führen.
Auch wir kennen diese Schnüffelatmung von uns wenn wir zum Beispiel an einer Blume
oder ähnlichem riechen schnüffeln wir auch ein wenig.
Bei Fährtenhunden ist eine andere Atemtechnik beschrieben die der Geruchswahrnehmung dient.
Hierbei atmen die Hunde tief und lang anhaltend ein und dieser Atemzug dauert
ca. 20-mal länger als bei normaler Atmung.
Diese Methode führt ebenfalls dazu einen Geruch optimalen erkennen zu können.
Wie Menschen auch, besitzen Hunde das so genannte vomeronasale oder
auch Jakobsche Organ mit dem sie ebenfalls Gerüche wahrnehmen könne.
Dieses Organ sitzt im hinteren Rachenraum und hat eine Verbindung zur
Nase und zur Mundhöhle.
Es wird hauptsächlich zum Erkennen von Gerüchen eingesetzt die mit dem
Sozial- oder Sexualleben zu tun haben.
Manchmal kann man beobachten wenn der Hund dieses Riech-Organ einsetzt.
Dann schlagen die Zähne schnell und leicht aufeinander, es gibt ein leises klapperndes
Geräusch und oftmals läuft dem Hund eine Speichelspur aus dem Fang.
Länger andauernde Riechvorgänge aber und das dürfen wir nicht vergessen, können
unter Umständen zur vorübergehenden Geruchlosigkeit führen.
Der Hund wirkt dem entgegen in dem er z B. kurz die Fährte verlässt, kurze selbstständige
Ruhepausen einlegt oder die Schnüffelatmung kurzfristig einstellt.
Ob man nun einen
Rettungshund der mit hoher Nase sucht oder einen
Jagdhund der eine Schweißfährte absucht oder einen
Klassischen Fährtenhund der dem Geruch von aufgewühlten Erdorganismen folgt
oder einen
Hund hat der dem Individualgeruch eines Menschen folgt
alle diese Suchhunde haben eines gemeinsam.
Das intensive Riechen ist für unseren Hund Schwerstarbeit.
Nach einer Sucharbeit von 15 bis 20 Minuten werden Körpertemperaturen um 40 Grad Celsius
beim Hund gemessen.( die normale Temperatur liegt zwischen 38 und 39 Grad )
Sobald der Geruch schwieriger zu identifizieren ist, verlängert sich die Dauer der Schnüffelperioden,
die Pausen werden kürzer, die Herzfrequenz steigt.
Das heißt, das je ruhiger ein Hund arbeitet umso niedriger liegen die Herzfrequenzen.
Umso schonender ist die Suche für den Hund.
Und wie funktioniert es nun?
Gerüche, das dürfte allgemein bekannt sein breiten sich über Luftströme aus.
Wie aber entsteht nun überhaupt der Geruch bzw. die Geruchsfahne mit der unser
Hund arbeiten kann.
Der menschliche Körper besteht, wie ja allgemein bekannt aus einer Anzahl individueller Zellen.
Wobei eine Hautzelle ca. 0,014 mm groß und 0,07 Mikrogramm schwer ist.
Diese Zellen sterben kontinuierlich ab und werden durch neue ersetzt.
Die Zellen werden sobald sie abgestorben sind von Bakterien zersetzt und
geben dadurch ein Gas frei.
Menschlicher Geruch setzt sich außerdem aus verschiedenen flüchtigen Fettsäuren wie
z.B Buttersäure zusammen, die ebenfalls über die Haut ausgeschieden werden.
Da die Luftschicht direkt am Körper zum Vergleich mit der Umgebung
wärmer ist entsteht um den Menschen herum eine gewisse Thermik die dafür sorgt
dass die Gerüche in die Luft aufsteigen.
Thermik = aufsteigende Blasen warmer Luft
Durch die Temperaturunterschiede in Bodennähe und der darüber liegenden Luftschicht
kommt es zu Verwirbelungen.
Die Luftbewegung trägt diese entstandene Duftwolke durch die Luft und der Hund
kann die Witterung aufnehmen. Wobei man sich immer wieder die Größe der einzelnen
Hautzelle ins Gedächtnis rufen muss um daran zu denken das wirklich der allerkleinste
Lufthauch ausreicht um den Duft Weiterzutragen.
Diese Luftströmung teilt sich sobald die Duftfahne auf einen Gegenstand trifft.
Wir
kennen das z. B. vom Zigarettenrauch.
Trifft dieser auf ein Hindernis so teilt er sich und es entstehen zwei
Rauchfahnen
bzw. auf den Geruch bezogen zwei Geruchsfahnen
Aber nicht nur Hindernisse und Geländeeigenschaften haben einen Einfluss auf die
Gerüche und die Geruchsentstehung.
Wichtig sind auch die Faktoren:
Kälte, Wärme, Windstärke, Windrichtung, Regen, etc..
Die Tageszeit an der die Suche beginnt ist ebenso wichtig wie die Frage wie lange die
Person bereits vermisst wird.
Die Temperatur z.B. beeinflusst direkt die Geschwindigkeit der bakteriellen Zersetzung.
An einem sehr heißen sonnigen Tag z.B. ist die Zersetzung stark reduziert.
Sobald aber die Sonne untergeht und durch das Fallen der Temperatur Feuchtigkeit
aufgebaut wird, wird auch der bakterielle Zersetzungsprozess wieder aktiviert.
Bei extrem tiefen Temperaturen aber wird der Prozess ebenfalls unterbrochen
und wird erst wieder aktiviert wenn die Temperaturen steigen.
Der Geruch des Menschen ist also für den Hund am besten bei einer im Mittelbereich
liegenden Temperatur wahrnehmbar.
Ein leichter Regen hilft ebenfalls den Geruch zu verstärken da die Feuchtigkeit das
bakterielle Wachstum und somit die Zellzersetzung fördert.
Starker und lang anhaltender Regen hingegen wird die im allgemeinen
gasförmige Geruchsfahne unterbrechen.
Da der bakterielle Zersetzungsprozess beginnt sobald die Hautpartikel vom Körper
abfallen verstärkt sich der Geruch mit der Zeit natürlich.
Auch das Gebiet ist ausschlaggebend.
Im Gebirge herrschen andere Umstände als in einem dichten Wald.
Geruch bewegt sich der Thermik entsprechend z.B. am Fuß eines Abhangs oder bei Abkühlung
wieder nach oben.
Geruch setzt sich aber auch in Gräben fest, oder verwirbelt vor dichtem Buschwerk
Besonderheiten der vermissten Person betreffend also bestehende Krankheiten, Alter,
Geschlecht etc. sind ebenfalls von großer Wichtigkeit.
Ein Diabetiker z.B. der ins Koma gefallen ist hat eine
ganz andere Geruchszusammensetzung als z.B. ein Drogenabhängiger
oder ein verängstigtes Kind.
All dies muss, wenn ein Hundeteam in die Suche geht berücksichtigt werden
um effektiv und hoffentlich erfolgreich suchen zu können.